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Leserfragen
zur
Geld-
und
Zinsproblematik
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Wie werden "Alte"
unterhalten, wenn sie
keine Erträge aus Zinsen
haben?
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Wie ist bei
den derzeit niedrigen
Zinsgewinnen bei Bankanlagen
die astronomischen Zuwächse
der Geldvermögen zu
erklären?
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Was ist
mit der "Überlegenheit des Geldes
über Waren" gemeint?
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Wird nach einer Geldreform die
Kapitalakkumulation
gestoppt? |
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Können sich Konzerne
Staatsanleihen kaufen,
um
sich quasi in den Staatshaushalt
einzukaufen? |
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Wie
hoch ist Deutschlands
Verschuldung (2006)
im Ausland, bei
seiner Bevölkerung und
bei anderen Institutionen
(Weltbank)? |
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Warum haben in
Japan Zinsraten um den
Nullpunkt die Konjunktur
nicht wesentlich angehoben? |
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Erfordert eine Geldreform nicht auch Kapitalverkehrskontrollen, um
Kapitalabwanderungen ins Ausland zu vermeiden? |
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Was nützen mir
nach einer
Geldreform
zwar geringere Zinsbelastungen,
aber dafür hohe Tilgungsraten? |
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Wie wirkt sich
Freigeld auf Laufzeit
u. Tilgung von Krediten
aus? |
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Wie werden "Alte"
unterhalten, wenn sie
keine Erträge aus Zinsen
haben?
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Helmut Creutz:
"Der
Lebensunterhalt der
Ruheständler stammt
i.d.R.
aus der staatlichen
Rentenversicherung oder
aus Lebensversicherungen.
Von der Verzinsung ihrer
Vermögen lebt nur eine
Minderheit. Die Einführung
einer Umlaufsicherung würde
die
Kaufkraft aller Renten im gleichen Maße
steigern, wie die Zinsanteile
in den Preisen sinken.
Natürlich
müssen die Rentner von
diesen Zugewinnen die
sinkenden Zinseinkommen
aus ihren Ersparnissen
in Abzug bringen. Da
heute jedoch 85 bis
90% der Haushalte
im Laufe ihres Lebens
über ihre Ausgaben mehr
Zinsen zahlen als sie
für ihre Ersparnisse
zurückerhalten, dürfte
das Ergebnis dieser
Saldierung für die allermeisten
Rentner positiv sein.
Bei
den Lebensversicherten
würden sich, aufgrund
der sinkenden Verzinsungen,
die zur Verfügung stehenden
Versicherungssummen
zwar verringern. Dieser
Verlust wird aber auch
hier weitgehend durch
den Kaufkraftzugewinn
der Renten ausgeglichen.
Die
Vermögensbesitzer müssen
allerdings bei sinkenden
Zinsen Verluste
in Kauf nehmen und zunehmend
auf die Substanz
zurückgreifen. Da diese
Vermögenssubstanz jedoch
- wenn die Besitzer
heute von ihren Zinsen
leben können - mindestens
dem Zwanzigfachen ihres
Jahresbedarfs entsprechen
muss, würde dieses Vermögen
auch bei Verbrauch im
Extremfall für zwanzig
Jahre reichen - also
für ein normales Rentenalter.
Da aber auch die Vermögensbesitzer
von dem Kaufkraftzugewinn
ihres Geldes profitieren,
ist ihr Lebensabend
noch
länger abgesichert.
Im
übrigen ist Aufzehrung
letztlich der Sinn jeder
Rücklage für das Alter,
egal ob sie
über Einzahlungen in
Rentenkassen, Lebensversicherungen
oder Ansammlungen von
Vermögenswerten gebildet
wird. Außerdem ist zu
beachten, dass die Zinsen,
die vorhandene Vermögenswerte
ohne Leistung ständig
größer werden lassen,
immer aus den Arbeits-
und sogar den Renteneinkommen
anderer Menschen stammen."
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Wie ist bei
den derzeit niedrigen
Zinsgewinnen bei Bankanlagen
die astronomischen Zuwächse
der Geldvermögen zu
erklären?
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Helmut Creutz:
"Die Zuwächse
an Geldvermögen bewegten
sich in den Jahren 1991
bis 1999 durchschnittlich
um 660 Mrd. DM (337
Mrd. EUR) p.a., die Zinsaufwendungen
der Banken (also die
Zahlungen an die Sparer)
in der gleichen Zeit
p.a. um 512 Mrd. DM
(262 Mrd. EUR). Das
heißt, mit den Zinseinkommen
könnte bereits der jährliche
Zuwachs der Geldvermögen
zu rund 80% erklärt
werden. Natürlich
nahmen die Geldvermögen
auch durch
die explodierenden Kurse
an den Börsen zu, die
den Aktienanteil an
den gesamten Geldvermögen
in den 8 Jahren von
12 auf 22% ansteigen
ließen.
Auch
bei den derzeitig niedrigen
Zinssätzen sind also
die Zinserträge für
die Entwicklung der
Geldvermögen immer noch
der bestimmende Faktor.
Das trifft zumindest
auf Deutschland zu,
wo die Aktien
nur 1/5
der gesamten Geldvermögen
ausmachen."
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Was ist
mit der "Überlegenheit des Geldes
über Waren" gemeint?
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Helmut Creutz: "Dass Geld
der Ware überlegen ist,
hängt nicht nur mit
der unterschiedlichen
Dauerhaftigkeit und
den Lagerkosten zusammen,
sondern auch mit der
Universalität und Liquidität
des Geldes. Deshalb
wird das Geld auch von
allen Produzenten bzw.
Warenverkäufern begehrt und sie unternehmen
alle Anstrengungen,
ihre Ware gegen Geld
zu tauschen. Diese
Situation kehrt sich
nur dann um, wenn Geld
rascher als die Waren
"altert" oder
"verdirbt", also bei extremen
Inflationshöhen.
Dass Geld
der Ware überlegen
ist, zeigt sich auch
an den Abhängigkeiten:
Nur wenn Geldbesitzer
Geld zur Verfügung stellen
(über Kredite), kommt
es zu Produktionsmitteln. Während aber
Geld nahezu nach Belieben
zurückgehalten werden
kann, können Produzenten
sich dies natürlich
mit ihrer Ware nicht
erlauben. "
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Wird nach einer Geldreform die
Kapitalakkumulation
gestoppt?
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Helmut Creutz: "Die ständig zunehmenden
zinsbedingten Umschichtungen
bzw. Akkumulationen
von der Arbeit zum Geldkapital
würden mit der Einführung einer
Umlaufsicherung - als Folge des
ungestörten Geldangebots
und der damit sinkenden
Zinssätze und Zinsbelastungen
-
gestoppt werden. Rationalisierungen,
Steigerungen
der Produktivität durch
technischen Fortschritt
oder schlichtes Sparen
würden zwar auch dann
zu weiteren Kapitalakkumulationen
führen,
die aber dann nicht
mehr hemmungslos exponentiell
anwachsen."
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Können sich Konzerne
Staatsanleihen kaufen,
um
sich quasi in den Staatshaushalt
einzukaufen?
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Helmut Creutz: "Staatsanleihen können
von jedem erworben werden,
auch von Einzelunternehmen
oder Konzernen. Einflussnahme
auf staatliche Entscheidungen
wäre allerdings nur
bei geballter Konzentration
in wenigen
Händen denkbar. Und was
die Beeinflussung von
staatlichen Entscheidungen oder der
Steuern anbelangt, so
haben hier die Konzerne
wohl noch bessere Waffen
in der Hand, z.B. die
Drohung mit Entlassungen
oder Verlagerungen von
Produktionsstätten."
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Wie
hoch ist Deutschlands
Verschuldung (2006)
im Ausland, bei
seiner Bevölkerung und
bei anderen Institutionen
(Weltbank)?
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Helmut Creutz: "Ich nehme an, dass Sie
mit der Verschuldung
Deutschlands die der
Öffentlichen Haushalte
meinen, die Ende 2006
bei 1.485 Mrd. Euro (rd.
1,5 Billionen EUR) lag.
Beim Bund stammen diese
Schulden überwiegend
aus Anleihen und Obligationen,
bei den Ländern und
Gemeinden fast ausschließlich
aus Bankkrediten. Die
Geldgeber
in beiden Fällen sind
weitgehend die privaten
Haushalte mit ihren
Ersparnissen. Die Verschuldung
des Staates im Ausland
ist dagegen unbedeutend,
und bei der Weltbank
wie dem IWF gehört der
deutsche Staat zu den
Geldgebern."
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Warum haben in
Japan Zinsraten um den
Nullpunkt die Konjunktur
nicht wesentlich angehoben?
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Helmut Creutz: "Unternehmer
erhöhen ihre Produktion
tatsächlich nur dann,
wenn sie eine entsprechend
zunehmende Nachfrage
erwarten. Das heißt,
auch bei Zinsen um null
werden sie nicht investieren,
wenn keine Chance auf
Absatz besteht
bzw. wenn die allgemeine
Kaufbereitschaft eingebrochen
ist - wie das in Japan
z.Zt. der Fall ist.
Hervorgerufen durch
einen
deflationären Preisverfall, der inzwischen
die Geldzurückhaltungen
sogar mit Kaufkraftzugewinnen
belohnt (in einer Deflation
bekommt man halt morgen
mehr fürs gleiche Geld). Eine solche
gefährliche Entwicklung
würde durch eine vom
Zins unabhängige Umlaufsicherung
vermieden. Selbst bei
einem Absinken der Zinsen
gegen null und einer
Verstetigung oder sogar
einem Rückgang der Wirtschaftsleistung
würde der Kreislauf
des Geldes und damit die Konjunktur
stabil bleiben."
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Erfordert eine Geldreform
nicht auch Kapitalverkehrskontrollen, um Kapitalabwanderungen ins Ausland
zu vermeiden?
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Helmut Creutz: "Ein Transfer von Geld
in eine andere Währung
macht immer einen Umtausch
erforderlich, z.B. von
Euro in Dollar oder
umgekehrt, jede Veränderung
der Nachfragerelationen
auf den Devisenmärkten
aber beeinflusst die
Wechselkurse. Käme es
also nach Einführung
einer Umlaufsicherung
zu absinkenden Zinsen
und als Folge zu massiven
Kapitalabwanderungen,
z.B. aus dem Euro- in
den Dollarraum, dann
würden auf Grund der
erhöhten Dollarnachfrage
die Dollarkurse ansteigen
bzw. die Eurokurse sinken.
Das heißt, der Vorteil
der höheren Zinsen im
Dollarraum würde mit
einem höheren Dollarkurs
bezahlt bzw. sogar zunichte
gemacht werden. Hinzu
kommt noch das Kursrisiko
bezogen auf einen evtl.
späteren Rücktausch.
Märkte, die funktionieren,
tendieren also immer
zu einem Ausgleich.
Was
die Kapitalverkehrskontrollen
betrifft, so wären diese
sicher unvermeidlich,
wenn es zu einer plötzlichen
Veränderung der Zinssätze
durch eine Umlaufsicherung
käme. Da diese Zinsabsenkung
gegen null jedoch ein
langsamer über Jahre
laufender Prozess sein
dürfte (Keynes ging
von einer Generation
aus), werden auch die
Reaktionen entsprechend
fließend sein. Im Laufe
eines solchen Prozesses
würden aber auch die
Vorteile sichtbar, die
eine Volkswirtschaft
mit sinkenden bzw. niedrigeren
Zinsen gegenüber den
übrigen Ländern hat:
Spekulanten werden zwar
tendenziell in Währungen
mit höheren Zinsen umsteigen,
auf langfristige Stabilität
und Sicherheit bedachte
Anleger, vor allem aber
auch Investoren, werden
dagegen Länder mit niedrigen
Zinsen bevorzugen. Diese Länder bieten
ihnen nicht nur einen
Standortvorteil, der
ähnlich wie niedrige
Löhne oder Steuern für
sie zu Buche schlägt,
sie können auch mit
langfristigerer sozialer
und politischer Stabilität
rechnen.
Ein
Abfließen von "Nachfrage" ist im übrigen
mit den Umtauschvorgängen
nicht verbunden. Denn
der Aussteiger aus dem
Euro hat zwar nach dem
Tausch Dollar in der
Hand bzw. auf dem Konto,
die er im Dollarraum
anlegen oder ausgeben
kann. Umgekehrt hat
aber der Dollarverkäufer
und Euro ankaufende
die Euro im Besitz,
die im Endeffekt nur
im Euroraum angelegt
oder ausgegeben werden
können. Die Nachfragemittel
in den betroffenen Währungsräumen
würden sich nur dann
verändern, wenn die
Notenbanken mit Stützungskäufen
oder -verkäufen in den
Devisenmarkt eingreifen."
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Was nützen mir nach einer
Geldreform
zwar geringere Zinsbelastungen,
aber dafür hohe Tilgungsraten?
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Helmut Creutz: "Da bei sinkenden Zinsen
Geldvermögen und Kreditmasse
langsamer zunehmen als
heute, dürften die Banken
ein Interesse
an längeren Laufzeiten
haben, um sich über
die Bankmarge eine regelmäßige
Einnahme zu sichern.
Außerdem wird es
kaum einer Bank möglich
sein, die Kreditkosten
über den bankbedingten
Rahmen hinaus zu erhöhen.
Vielmehr werden sich
die Bankkosten eher
verringern. Einmal,
weil bei sinkenden Zinsen
das Kreditrisiko geringer
wird und damit der Risikoanteil
in der Bankmarge. Zum
anderen, weil auch die
in der Marge enthaltenen
Verzinsungen des Bank-Eigenkapitals
mit den Zinssätzen sinken
werden.
Was den
Kreditnehmer betrifft,
so sind sinkende Zinsen
für ihn immer ein Gewinn,
selbst bei kürzeren
Laufzeiten. Denn mit
dem gleichen Betrag,
den er bislang für Zins
und Tilgung aufbringen
musste, ist er auf Grund
der erhöhten Tilgung
viel schneller schulden-
und lastenfrei.
Welche
Entlastung der Kreditnehmer
mit einer
Zinssenkung verbunden
wäre, zeigt die Zinsergebnisrechnung
der deutschen Banken,
die im Jahr 2000 mit
370 Mrd.
EUR abschloss. Davon
verblieben 77 Mrd. EUR
als Marge
bei den Banken, während
293 Mrd.
EUR an die Geldgeber
flossen. D.h.,
bereits bei einer Halbierung
der Zinssätze und damit
der Zinsaufwendungen
für die Geldgeber, würde
die deutsche Wirtschaft
um 146 Mrd.
EUR entlastet, bei
einem Nullzins sogar
um 293 Mrd
EUR. Dieser Betrag entspricht der
Hälfte aller Nettolohneinkommen
oder zwei Drittel der
gesamten Steuerzahlungen
im Jahr 2000!"
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Wie wirkt sich
Freigeld auf Laufzeit
u. Tilgung von Krediten
aus?
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Helmut Creutz: "Die Regelungen von Laufzeit
und Tilgung sind - wie
auch die übrigen Kreditkonditionen
- immer eine Frage der
Vereinbarung. Sie werden
von den Interessen der
Kunden ebenso bestimmt
wie von jenen der Banken.
Die Interessen der Banken
aber beziehen sich
wesentlich nur auf
die Bankmarge, in der
auch der Bankgewinn
enthalten ist. Diese
Marge wird jedoch
durch ein Absinken der
Zinsen nicht beeinträchtigt.
Und da die Zinseinnahmen
für die Banken letztlich
nur ein durchlaufender
Posten sind, dürfte
sich durch Freigeld
an den Laufzeitregelungen und
Tilgungsvereinbarungen nicht
viel verändern."
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