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Leserfragen zur Geld- und Zinsproblematik

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Warum werden Zinseinkommen mit 3-5% des Volkseinkommens angegeben, wenn schon in den Preisen i.M. 30% Zinsanteil enthalten sind?

 

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Kann eine Volkswirtschaft ohne Kredite funktionieren? Müssen Kredite sein, oder geht das auch mit "erst-sparen"?

 

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Kommt eine Geldumlaufgebühr nicht einer Inflation gleich?

 

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Gibt es eine Vorstellung, um wieviel Geld es sich handelt, das in den "Strumpf" gesteckt wird?

 

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Wird durch verstärkten Aktienkauf nicht auch die Wirtschaft belebt und Arbeitsplätze geschaffen?

 

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Werden wirklich so grosse Geldsummen dem Kreislauf entzogen, dass der Ausgleich von Angebot und Nachfrage nicht mehr gewährleistet ist?

 

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Kann Kapitalvernichtung statt über Krieg nicht auch über Streichungen von Schulden oder Vermögen erreicht werden, um das System zu er halten?

 

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Wie viele Arbeitsplätze hätte man mit den gesamten Zinslasten im Jahr 2001 neu schaffen können?

 

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Wie sähe die Welt aus, wenn wir in den letzten 50 Jahren einen Zins um null gehabt hätten?

 

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Muss die Sicherung des Geldumlaufs nicht vom Großkapital ausgehen und nicht von denen, deren Besitz als Bargeld in die Tasche passt?

 

 

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Warum werden Zinseinkommen mit 3-5% des Volkseinkommens angegeben, wenn schon in den Preisen i.M. 30% Zinsanteil enthalten sind?

 

Helmut Creutz: "Im Jahr 2001 lag das Volkseinkommen bei 1.530 Mrd. Euro, die Zinserträge der Banken bei 382 Mrd. Euro. Bezogen auf das Volkseinkommen ergibt sich daraus ein Anteil von 25%, bezogen auf die Ausgaben der Haushalte in Höhe von 1.220 Mrd. von 31%. Trotzdem ist die Zahl von 3-5% nicht ganz falsch, weil bei der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung alle Zinseinkommen und Zinszahlungen gegeneinander verrechnet und damit aufgehoben werden. Im Zuge dieser Berechnung geht dabei in das Volkseinkommen nur der (positive) Saldo der privaten Zinszahlungen und Zinseinkommen sowie der (negative) Zinssaldo der öffentlichen Haushalte ein. Diese beiden Salden werden dann nochmals gegeneinander zu einer noch kleineren Größe verrechnet, die etwa den 3-5% entsprechen. Diese Neutralisierung aller Zinszahlungen und -einkommen mag überraschend, sein, ist aber sachlogisch. Denn mit dem Volkseinkommen werden alle Wertschöpfungen aus Produktion, Handel und Dienstleistungen ermittelt, zu denen Zinseinkommen und -zahlungen, die "nur" eine Umverteilungsfunktion, aber keine Wertschöpfungsfunktion haben, nichts beitragen."

 

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Kann eine Volkswirtschaft ohne Kredite funktionieren? Müssen Kredite sein, oder geht das auch mit "erst-sparen"?

 

Helmut Creutz: "Auch Kreditvergaben setzen Sparen voraus, nämlich das der Marktteilnehmer, die einen Teil ihres Einkommens auf die hohe Kante legen. Aber auch die Kreditehmer selbst müssen durchweg eigene Ersparnisse ausweisen oder über sonstige Vermögen verfügen, bevor sie einen Kredit erhalten - siehe den Hausbau.

Die Kreditvergaben an Investoren ermöglicht diesen jedoch nicht nur frühere Umsetzungen ihrer Pläne, sondern sie sorgen auch dafür, dass die nicht ausgegebenen Einkommen, aus denen die Ersparnisse stammen, wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden. Diese Rückführung ist für die gesamte Volkswirtschaft von größter Wichtigkeit, denn ohne sie käme es zu Nachfrageeinbrüchen und Unterbrechungen des geldmässigen Kreislaufs mit kaum ermessbaren Folgen.

Da es auch um den Werterhalt des Ersparten gilt, leisten sich also genau genommen Kreditgeber und Kreditnehmer gegenseitig einen Dienst, der auch die Fragwürdigkeit der Zinsbelohnung deutlich macht."

 

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Kommt eine Geldumlaufgebühr nicht einer Inflation gleich?

 

Helmut Creutz: "Zinsen erhält man für die leihweise Vergabe von Geld, und man bezahlt Zinsen, wenn man Schulden macht. Die mit dem Freigeld verbundene Geldumlaufgebühr bezieht sich jedoch nicht auf langfristig angelegte Geldguthaben, sondern nur auf Bargeld- und Giralgeldguthaben (letzteres wird kontrovers diskutiert, ich halte es aber persönlich für erforderlich). Da dieses zurückgehaltene Geld durch die Gebühr rascher in Umlauf kommt und für Nachfrage sorgt, bewirkt sie - was die Absicht ist - eine Zinssenkung, u.U. bis nahe null. Denn eine Geldumlaufgebühr macht ein Zurückhalten von Geldmitteln zum Zweck des Erhalts eines "angemessenen" Preises (Zins) sinnlos. Durch die fallenden Zinsen werden letztlich auch die Preise sinken.

Der häufig angeführte Vergleich der Umlaufsicherungsgebühr mit einer Inflation ist unzutreffend, denn eine Inflation entwertet Geldvermögen und treibt die Preise in die Höhe. Die Geldumlaufgebühr dagegen sorgt dafür, dass die umlaufende Geldmenge gut steuerbar wird, Inflation und Kaufkraftschwund verschwinden."

 

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Gibt es eine Vorstellung, um wieviel Geld es sich handelt, das in den "Strumpf" gesteckt wird?

 

Helmut Creutz: "Dass mit sinkenden Zinsen die Bereitschaft zum Geldverleih nachlässt, ist sicher nachvollziehbar, ebenso, dass als Folge der daraus resultierenden Kapitalknappheit die Zinsen ansteigen. Die Grössenordnungen solcher Geldzurückhaltungen lassen sich in etwa an den Schwankungen der Geldbestände ablesen. So nahm z.B. in der Niedrigzinsphase 1986-88 die Nachfrage nach Bargeld um 27% zu, obwohl das Sozialprodukt nur um 9% anstieg. In der anschließenden Zinsanstiegsphase 1988-1990 kam es dagegen zu einem Abbau des Geldüberhangs! Die Bargeldmenge nahm nur um 4% zu, obwohl die Wirtschaftsleistung um 15% gesteigert wurde (detaillierte Angaben und Grafiken dazu finden sich in meinem Buch Das Geldsyndrom)."

 

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Wird durch verstärkten Aktienkauf nicht auch die Wirtschaft belebt und Arbeitsplätze geschaffen?

 

Helmut Creutz: "Wenn man - statt zu konsumieren oder sein übriges Geld zur Bank zu geben - verstärkt Aktien kauft, führt das nur dann zu mehr Arbeitsplätzen, wenn man neu herausgegebene Aktienwerte erwirbt, mit denen die Unternehmen frisches Kapital für Investitionen erhalten. Die verstärkte Aktiennachfrage in den letzten Jahren resultierte jedoch nur zu einem geringen Teil aus Neuausgaben, sondern überwiegend aus dem Sekundärhandel mit vorhandenen Aktienwerten. Dieser Handel kann nicht zu mehr Arbeitsplätzen führen, weil dabei nur ein Besitzerwechsel stattfindet, ohne jede Veränderungseffekte in der realen Wirtschaft.

Durch erhöhte Nachfrage ausgelöste Kursanstiege können den Firmen bei geplanten Börsengängen, Aktien-Neuausgaben oder Verkäufen nützlich sein. Doch gerade in diesen Fällen wird aus Prestigegründen, oder um bei Zusammenschlüssen den eigenen Preis hoch zu treiben, der Versuch gemacht, die Gewinne bzw. Erwartungen durch Personaleinsparungen, also durch Entlassungen, günstiger zu gestalten. Zu einer Belebung der Wirtschaft und damit zu neuen Arbeitsplätzen kommt es - wenn überhaupt - in erster Linie nur dadurch, dass sich die Aktieninhaber bei steigenden Kursen reicher fühlen und grosszügiger mit ihrem Einkommen umgehen oder sogar Schulden machen."

 

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Werden wirklich so grosse Geldsummen dem Kreislauf entzogen, dass der Ausgleich von Angebot und Nachfrage nicht mehr gewährleistet ist?

 

Helmut Creutz: "Bei den Kreislaufunterbrechungen geht es nicht um die langfristig angelegten Geldvermögen, sondern um die Zurückhaltung der laufend genutzten Zahlungsmittel, also Bar- und Giralgeld. Schon die Zurückhaltung von 2-3% der laufenden Einkommen genügt, um eine Volkswirtschaft ins Straucheln zu bringen. Noch grösser sind die Folgen, wenn sich diese Zurückhaltung über Monate hinweg fortsetzt. Solche Zurückhaltungen können bereits durch negative Nachrichten ausgelöst werden, noch mehr natürlich durch Kurseinbrüche oder Arbeitslosigkeit. Hinzu kommt noch, dass mit den z.Z. relativ niedrigen Guthabenzinsen auch noch der Antrieb nachlässt, sein Geld längerfristig anzulegen und man das statt dessen verstärkt in kurzfristigen Geldanlagen vornimmt. Es sind also keine riesigen Geldhortungen erforderlich, um die Konjunktur zu gefährden, obwohl es auch diese in einem erheblichen Ausmaß gibt, zum Beispiel in kriminellen und Steuerhinterziehungskassen."

 

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Kann Kapitalvernichtung statt über Krieg nicht auch über Streichungen von Schulden oder Vermögen erreicht werden, um das System zu erhalten?

 

Helmut Creutz: "Da Geldschulden und Geldvermögen sich immer gegenüberstehen, müssten beide gemeinsam gestrichen werden. Das aber setzt die Bereitschaft der Gläubiger voraus, die sicher nur schwer dafür zu gewinnen sein werden. Eine Schuldenstreichung alleine würde das Überangebot auf der Geldangebotsseite noch mehr erhöhen und damit eine Belebung der Kreditaufnahmen und des Wirtschaftswachstums noch dringender machen. Das aber ist wegen allgemeiner Sättigungstendenzen und sinkender Massenkaufkraft immer weniger möglich. Also bleibt nur eine Reduzierung der vorhandenen Sachkapitalien übrig, wie das bereits z.T. durch die vielen Pleiten geschieht. Ökonomen sprechen in solchen Fällen von notwendigen "Reinigungskrisen" oder sogar "schöpferischen Zerstörungen" (Schumpeter), die natürlich - man wagt es kaum zu sagen - in Kriegen am wirkungsvollsten umzusetzen sind.

 

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Wie viele Arbeitsplätze hätte man mit den gesamten Zinslasten im Jahr 2001 neu schaffen können?

 

Helmut Creutz: "Die gesamte Zinsbelastung aus allen Verschuldungen lässt sich in etwa an den Bankzinserträgen abmessen, die 2001 bei 382 Mrd. Euro lagen. Die gesamten Personalkosten, also Bruttolöhne plus Arbeitgeberanteile, betrugen 2001 rund 1.110 Mrd. Euro, bei einer Zahl von 32,7 Millionen Arbeitnehmern. Daraus errechnen sich durchschnittliche Personalkosten je Arbeitsplatz von 33.945 Euro. Teilt man die Zinslastgröße von 382 Mrd. Euro durch diesen Betrag, dann hätte man rechnerisch gut elf Millionen Arbeitnehmer damit bezahlen können. Alleine der Staat, der heute rund 67 Mrd. Euro Zinsen p.a. aufbringen muss, hätte mit diesem Geld rund zwei Millionen Arbeitslose einstellen können.

 

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Wie sähe die Welt aus, wenn wir in den letzten 50 Jahren einen Zins um null gehabt hätten?

 

Helmut Creutz: "Wenn in unseren Volkswirtschaften die Zinsen mit den Sättigungen auf den Märkten abgesunken wären, hätten die Diskrepanzen im Einkommensbereich in unseren Gesellschaften und damit die sozialen Spannungen niemals die heutige Höhe erreicht, wären die Unternehmen und Staaten nicht überschuldet, gäbe es das Nord-Süd Gefälle mit allen seinen Folgen in dieser Grösse nicht, brauchten wir kein ständiges Wachstum ohne Rücksicht auf die Umwelt und unsere Kinder zu erzwingen und hätten - selbst wenn in den Industrienationen das heutige materielle Versorgungsniveau nicht erreicht worden wäre - weniger Grund, uns vor Kriegen oder wirtschaftlichen Zusammenbrüchen zu fürchten.

 

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Muss die Sicherung des Geldumlaufs nicht vom Großkapital ausgehen und nicht von denen, deren Besitz als Bargeld in die Tasche passt?

 

Helmut Creutz: "Damit die für Konsum oder Investitionen nicht ausgegebenen Einkommensteile den Banken zinsfrei zufliessen, soll die Geldhaltung mit Gebühren verknüpft werden. Aufgrund dieser Gebühren, wird es dann nicht mehr möglich sein - weil sinnlos -, den Zins durch Zurückhaltung des Geldangebots marktwidrig hoch zu halten. Gibt man aber, um der Gebühr zu entgehen, sein übrigens Geld auch bei geringen oder schließlich sogar auch ohne Zinsansprüche zur Bank, dann sinken nicht nur die täglich neu ermittelten kurzfristigen Zinsen, sondern in Folge nach und nach auch die Zinsen für die bei den Banken untergebrachten grossen Guthabenbestände.

Da die Geldumlaufgebühr zweckmässigerweise auf die gesamten Zahlungsmittelbestände, auf Bar- und Giralgeld, eingesetzt werden sollte, wird jeder in Höhe seiner liquiden Geldhaltung von der Gebühr betroffen, nicht nur diejenigen, die lediglich eine kleine Bargeldkasse halten.

 


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und Zinsproblematik

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